Harvey

Wieso wir uns für einen Hund von der Hunderettung entschieden haben

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Nadine Krause

Wir wollten einen Hund. Eine Dogge, Neufundländer, Great Weimar... Etwas Großes, auf dem man nach einer Kneipentour „PUNKROCK!“ brüllend nach Hause reiten kann. Aber erst, wenn die Zeit gekommen ist, die beiden Katzen uns verlassen haben und wir uns gut damit fühlen. Wir hatten also einen Plan.

Dachten wir.

Der richtige Zeitpunkt?

Eine Freundin machte mich vor einem knappen Jahr auf die Seite vom Hunderettung e.V. aufmerksam, als sie mitbekam, dass wir planen uns irgendwann, bald, demnächst einen Hund „anzuschaffen“. Sie hatte ihren von dort und vielleicht würden wir ja auch einen finden, der unsere Herzen erweichen lässt.

Mein Herz ist natürlich ständig weich und ich hätte sie am liebsten alle umgehend adoptiert. Aber die Stimme der Vernunft (mein Mann) war immer lauter und am Ende gab ich ihm Recht. Es war kein guter Moment.

Doch dann kam alles anders

Vergangene Woche, ich scrollte gerade so durch Facebook, sah ich ihn. 

Er hieß Bomba, war fünf Monate alt, kam aus Malta aus dem ungewollten Wurf eines Bauern und war gerade in seiner Pflegestelle in Berlin angekommen. Er war braun, hatte große Schlappohren, mächtige Pfoten und die schönsten Augen der Welt.

Laut quietschend schob ich meinem Mann, wie immer, mein Telefon unter die Nase. Natürlich damit rechnend, dass ich einen genervten Seitenblick kassieren würde, aber er schwieg. Er guckte sich alle Fotos an und sagte dann: „Ich will ihn mir anschauen.“ 

Mit diesem Satz ging mir der Arsch ein wenig auf Grundeis, aber ich schwieg und nickte. Wir schrieben eine kurze Nachricht, dass wir interessiert wären und zwei Tage später trafen wir Bomba mit seiner Pflegemama und einem lieben Menschen von der Hunderettung auf dem Tempelhofer Feld. 

Gründliche Prüfung

Wir stellten etliche Fragen – und bekamen selbst noch mehr gestellt. Man prüfte uns gründlich auf Erfahrung, Kompetenz, Umgang, Wissen, checkte unser Umfeld, die soziale Lage und wir unsererseits Bomba. 

Was macht er für einen Eindruck: sozialisiert, kränklich, anfällig, auffällig? Man hört ja so viel! Oh, Gott! Oh, Gott! Aber nichts. 

Im Gegenteil. 

Er flitzte durch die Gegend, machte Stops bei uns, um sich auf unsere Füße zu werfen und sich den Bauch kraulen zu lassen. Am Ende durften wir ihn noch zur U-Bahn begleiten.

Wir waren in der heißen Phase. Wir wussten: Wir wollten ihn. Alle Faktoren stimmten, also machten wir es von den Katzen abhängig. Fressen sie ihn direkt auf, gibt es keinen Hund. Logisch. 

Harvey
Bild via Nadine Krause

Vorurteile? Nein.

Wir weihten die Kinder ein, verabredeten uns für drei Tage später bei uns zu Hause und überraschenderweise waren die Katzen – der Faktor der uns am meisten Angst gemacht hatte, – überhaupt kein Problem.

Es war also beschlossen. Wir nehmen ihn. Jetzt. 

Die Verträge wurden unterschrieben, die Schutzgebühr bezahlt und da saßen wir nun mit einem Zehn-Kilo-Baby im Arm, dass friedlich schnaufte und schlief.

Die Vorurteile bezüglich der Heimtiere gehören in die Sagen-und Legenden-Kiste. Es sind keine Problemtiere. Es sind meist Opfer von Haltern, die nicht damit gerechnet haben, wie viel Arbeit so ein Tier tatsächlich bedeutet.

Erfahrung hilft

Wir sind mit Hunden aufgewachsen. Wir wissen wie es ist, wenn er zum achten Mal auf den Teppich pullert, dich dabei mit großen Augen anschaut und dein erster Gedanke „ARSCHLOCH!“ ist. 

Wie es ist, bei minus zehn Grad 15 Minuten am gleichen Baum zu stehen, weil die Hündin von nebenan so geil riecht.

Man sagt, Hunde wären wie Babys, aber ich kann euch sagen: Sie sind noch schlimmer. Babys musst du nämlich nicht um 1 Uhr morgens an den Baum tragen, damit sie Häufchen machen und lustlos herumscharren. Welpen gehen anfangs nämlich sehr ungern Gassi. Das sagt einem übrigens keiner. 

Was sie einem aber ständig sagen ist, dass sie keine Treppen laufen dürfen in den ersten Monaten (Die Knochen. DIE KNOCHEN!), also schleppt man das Bündel (10 Kilo!) alle paar Stunden in die jeweilige Etage (VIERTE! ALTBAU!).

Es ist eben einfach Liebe

Wir nehmen das alles auf uns. Weil er unser Herz erobert hat. Weil er ein gutes Zuhause verdient hat. Weil er es jetzt schon hundertfach zurück gibt. Er vertraut uns. Wir sind sein Rudel. Er ist so clever und aufmerksam. Es ist eine Pracht, wie schnell er lernt.

Harvey. Sein Name ist jetzt Harvey.

Wir lieben ihn.

Harvey
Bild via Nadine Krause

(Ergänzung der Redaktion – auch, wenn man das nicht mehr sagen müssen sollte: Tiere sind KEINE Weihnachtsgeschenke.)

Hunde haben ein gutes Zuhause verdient!

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Titelbild via Nadine Krause

Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Caring, in dem es um Dinge geht, die unsere Welt besser machen: Konsum, Umweltschutz, Gerechtigkeit, Gesellschaft. So wie in diesen Artikeln: