Kreativ und künstlerisch: So protestieren wir heute

In Paris tagen derzeit Vertreter von 195 Staaten, um Beschlüsse zum Weltklima zu fassen – und keiner glaubt, dass sie wirklich etwas ändern werden. 

Obwohl geplante Demonstrationen abgesagt, Aktivisten inhaftiert und Aktionen durch die Polizei beendet wurden, gibt es Proteste. 

Wenn die Klimakonferenz eins zeigt, dann: Widerstand lässt sich nicht unterdrücken – vor allem nicht, wenn er intelligent und kreativ ist.

AktivistInnen finden Wege, ihren Protest trotz Versammlungsverbot auszudrücken. So gingen zum Beispiel Bilder von Brandalism und dem Silent March um die Welt.

Kunst statt Krawall!

Demokratie fordert uns auf, teilzunehmen, uns zu engagieren, unsere Regierungen herauszufordern. Dafür ist es wichtig, Präsenz zu zeigen und sich nicht einschüchtern zu lassen. Trotzdem kann es manchmal sinnvoll sein, den Umweg über Kunst, Humor und Kreativität zu gehen. 

Hier unsere Liste mit den kreativsten Protesten dieses Jahrtausends!

1. Der Parking-Day

Straßen und Parkplätze nehmen Raum ein, der den Menschen gehören sollte. Aus diesem Grund drehen Aktivisten einmal im Jahr den Spieß um und beschlagnahmen Parkplätze für sich und ihre Mitmenschen. 

Auf den Pkw-Abstellflächen entstehen so Cafés, Nachbarschaftstreffs und Spielplätze. 

2. Das Adbusting

Adbusting ist Verfremdung von Werbung auf eine Art, die meist nicht sofort ins Auge fällt. Das können Änderungen an Etiketten oder kleine „Ausbesserungen“ an Plakaten sein. 

Die eigentlichen Werbeslogans oder Markenkommunikation werden umgekehrt oder lächerlich gemacht. 

3. Der Slutwalk

Vergewaltigten Frauen wird auch heute noch eine Mitschuld an der Tat gegeben, wenn sie sich nicht „vernünftig“ kleiden oder verhalten. 

Auf Slutwalks demonstrieren weltweit Frauen in sexuell aufreizender Kleidung, um zu zeigen, dass ihr Aussehen nicht nur ihre Privatangelegenheit ist, sondern zudem niemandem das Recht gibt, sich sexuell an ihnen zu vergehen. 

4. Barbara.

Wer, was und wo genau Barbara ist, weiß niemand. Ganz ähnlich wie bei dem britischen Straßenkünstler Banksy. Doch mit ihrem klugen Humor und ihren Stickern macht sie die Welt zu einem schöneren Ort. Außerdem gibt ihre Anonymität uns eine großartige Chance: Wir alle können Barbara sein. 

5. Der Kampf mit der Klobürste

Alles fing mit einer Polizeikontrolle in St.Pauli an. Polizisten filzten Passanten in schwarzen Outfits und stellten dabei einen höchst gefährlichen Gegenstand sicher: eine Klobürste

Seitdem hat sich in Hamburg die Klobürste als Zeichen des Widerstandes gegen die Staatsgewalt etabliert. Ob bei einer Klobürstenparty auf der Reeperbahn oder um gegen neue Verkehrsinseln zu protestieren: Wenn Klobürsten im öffentlichen Raum auftauchen, weiß jeder Bescheid. 

6. Euer Lauf baut auf! 

Nazi-Aufmärsche sind im gesamten Bundesgebiet ein Problem. Während in vielen Städten Straßenkämpfe eskalieren, fordern andere immer wieder zum friedlichen Blockieren auf. Man kann Nazis auch kreativ den Marsch vermiesen. 

Aktionen wie Euer Lauf baut auf in Magdeburg spenden für jeden gelaufenen Meter der Nazi-Kolonne Geld für Aussteiger-Projekte, muslimische und jüdische Gemeinden oder Integrationskonzepte. So helfen die Rechten unfreiwillig. 

Inzwischen gibt es übrigens auch die Online-Variante: Hass hilft!

7. Die PARTEI

Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative ist eine satirische, politische Organisation, die aus dem Magazin Titanic entstand. 

Na ja, so satirisch ist sie gar nicht mehr. Inzwischen tritt die Partei nicht nur zu Wahlen an, sondern ist auch in vielen Hochschulorganen (Die LISTE) vertreten. Mit ihrem Parteiprogramm sowie ihrer Öffentlichkeitsarbeit übt sie nicht nur Kritik an den etablierten Parteien und politischen Prozessen, sondern weist auch auf Lücken innerhalb des demokratischen Systems hin. 

Und das mit Humor.

8. Die Front deutscher Äpfel 

Mimikry nennt der Biologe den Versuch mancher Pflanzen und Tiere, das Erscheinungsbild gefährlicher Arten zu imitieren. Die Front deutscher Äpfel beherrscht Mimikry perfekt.

Mit roter Binde, Stiefeln und Wehrmachts-Outfits sind die Retter deutscher Obstgärten auf Demos gegen Patrioten zu sehen und ziehen diese und ihre auf Einschüchterung ausgelegte Symbolsprache gnadenlos ins Lächerliche. 

9. Der Flashmob

Klar, gibt es diese peinlichen Verabredungen, bei denen alle Leute auf einem öffentlichen Platz plötzlich anfangen, Konfetti zu schmeißen oder zu singen. Es gibt aber auch verdammt gute Projekte. 

Wie zum Beispiel den Dance-Flashmob in Amsterdam, der auf den Zusammenhang von Menschenhandel und Prostitution aufmerksam macht. 

10. Die Toten kommen

Der anhaltende Flüchtlingsstrom ist die größte humanitäre Herausforderung unserer Zeit. Während westliche Nationen im Konsumrausch Lebensmittel verschwenden, Ressourcen ausbeuten und sich auf die eigene Überlegenheit berufen, sterben tausende von Menschen bei dem Versuch, Not, Krieg und Elend zu entkommen. 

Im Sommer 2015 beschloss das Zentrum für politische Schönheit, auf das massenhafte Sterben aufmerksam zu machen. In ganz Deutschland fanden (auch symbolische) Beerdigungen statt, mit geistlichem Beistand, Blumen und Mitgefühl. Die Message: Die Toten im Mittelmeer sind auch unsere Toten – und sie kommen. 

11. Die Ode an die Freude 

Bei einer AfD-Veranstaltung in Mainz übertönten Mitglieder des Mainzer Staatstheaters mit der „Ode an die Freude“ inbrünstig die Kundgebung und bekundeten so Solidarität mit allen Menschen, egal welchem Kulturkreis sie angehören mögen. Die AfD stellte Strafanzeige.

12. Der Pianist

Der Konstanzer Davide Martello sollte im Juli 2013 nach einem Auftritt in Sofia zurück nach Hause. Als er jedoch von den Zuständen in Istanbul hörte, fuhr er stattdessen dorthin. 

Er ließ seinen Konzertflügel mitten auf den Taksim-Platz stellen – auf dem in den Tagen zuvor Steine geflogen waren und Tränengas eingesetzt worden war – und spielte mehrere Stunden für Demonstranten, Polizisten und die Demokratie. Die berührenden Bilder gingen um die Welt. 

Du siehst also: Protest kann vielfältig und kreativ sein – sollte er sogar! Und du kannst auch dabei sein, zum Beispiel mit einem einfachen und klugen DIY-Protestplakat

Die Welt braucht dich.

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Bild via Giphy

Demokratie und kreativer Protest für alle!

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Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Caring, in dem es um Dinge geht, die unsere Welt besser machen: Konsum, Umweltschutz, Gerechtigkeit, Gesellschaft. So wie in diesen Artikeln: